…oder vom Glück von einer Katze geliebt zu werden. Teil 1

Als ich mich entschied, unseren Lesern unsere wunderbaren Gefährten auf vier Pfoten vorzustellen, wurde mir klar, dass es mir ein Leichtes wäre, darüber ein ganzes Buch zu schreiben. So viel Grandioses gäbe es zu erzählen.
Wer sein Leben mit Katzen teilt, weiß sicher sofort was ich meine.
Während ich hier sitze und schreibe, liegt unser neues, viertes samtpfötiges Familienmitglied „Sir Carlos Lancelot“, auf meinem Schoß und tut sein Bestes, mich am Tippen zu hindern.

Doch anfangen möchte ich viel früher als bei der aktuellen, umwerfenden Geschichte, die unseren geliebten Carlos, so sein Rufname, in unser Leben brachte.
Über 15 Jahre hatten wir das große Glück, in Baden-Baden mit zwei besonderen Wesen leben zu dürfen, ihr Vertrauen und ihre Liebe geschenkt zu bekommen. Die Rede ist von unserer außergewöhnlichen Katze „Mietzie“, die wir oft auch zärtlich „Her Holy Mietzness“ nannten. Ein Blick in ihre Augen reichte, um das ganze Universum widergespiegelt zu sehen. Tiefe Stille und Frieden kamen aus diesen Augen.

Unser zweiter ganz besonderer Gefährte war unser Hund Lancelot (Sir Henry Lancelot). Wir wollten nie einen Hund, doch das Leben war da anderer Meinung. Wie das geschah ist eine Geschichte für sich und muss ein anderes Mal erzählt werden.
Also zog eines Tages Lancelot ein und diese Erfahrung möchte ich niemals missen. Als uns beide Tiere altersbedingt verlassen mussten, war es äußerst schmerzhaft. Aus unerklärlichen Gründen fiel es mir besonders mit Lancelot sehr schwer. Es tat sehr lange heftig weh. Bei Mietzie war es leichter für mich loszulassen, vielleicht auch, weil sie eines Abends einfach friedlich auf ihrem Lieblingsplatz auf der Veranda sanft für immer einschlief.
Bei Lancelot musste ich die unendlich schwere Entscheidung treffen, ihn einschläfern zu lassen. Er war zu diesem Zeitpunkt fast 18 Jahre alt und körperlich in sehr schlechter Verfassung.

Es dauerte über 2 Jahre, bis wir uns wieder entschließen konnten, neue Gefährten in unser Leben zu holen. Unser Umzug im Sommer 2012 nach Hundsbach im Hochschwarzwald, ca. 30 Minuten von Baden-Baden entfernt, war sicher auch ein Grund dafür.
Auf unserem Grundstück streunerte ein hübscher großer schwarz-weißer Kater herum und wir gaben ihm deutliche Signale, dass er willkommen sei. Doch er war
zu scheu und hielt lieber Distanz. Legten wir etwas Futter aus, so holte er es sich schnell und begierig, verschwand aber sofort wieder.
Also machten wir einige Wochen nachdem wir uns hier oben eingelebt hatten, einen Ausflug ins Tierheim. Es war Ende Oktober und wir waren bereit für zwei neue Katzen-Gefährten. Wir wollten zum ersten Mal gerne junge Katzen holen, die es gerade im Tierheim gab. Doch als wir vor Ort sahen, wie viele ältere Katzen kein Heim fanden, entschieden wir uns anders. Junge Kätzchen finden immer schnell ein Zuhause. Wir lernten zwei ältere getigerte Katzen kennen, ein Weibchen und ein Männchen. Siddhi und Neytiri waren ihre neuen Namen, als sie schließlich bei uns einzogen.

Beide lebten seit einigen Jahren im Tierheim und hatten davor ein wahres Martyrium hinter sich. Sie wurden aus einem Einzimmer-Appartement, in welchen unter grausamen Zuständen über 70 Katzen leben mussten, per Räumung befreit. Unvorstellbar, was manche Tiere erdulden müssen.
Siddhi war ein totaler Schmuser und eine Seele von Kater, leider war es uns nur zwei kostbare Jahre vergönnt, ihn bei uns zu haben. Er lebt nicht mehr. Neytiri war ein waches, doch sehr scheues Tier, als wir sie kennen lernten. Sie hatte von Anfang an die Ausstrahlung einer Leopardin, etwas Wildes und gleichzeitig Sehnsuchtsvolles lag in ihrem Blick. Mein Mann hatte sich sofort in dieses Katzenmädchen verliebt. Man sagte uns im Tierheim, dass wir bei ihr davon ausgehen müssten, dass sie sich niemals wird anfassen lassen. Das war für uns in Ordnung. Wir würden ihr ein Heim, gutes Futter und viel Liebe geben. Was immer für sie stimmig sein sollte, sollte es auch für uns sein.
Neytiri sahen wir nur selten, nur kurz zum Fressen und das auch nur, wenn wir großen Abstand hielten. Meistens versteckte sie sich unter extrem flachen Möbelstücken. Es schien, als wären ihre Knochen aus Gummi.

Nach einer Eingewöhnngsphase bei uns im Haus durften die beiden Tiere schließlich das erste Mal das Haus verlassen. Eine völlig neue Erfahrung, da beide nie zuvor draußen waren. Allein das wäre eine ausführliche Erzählung wert: Wie sie Pfötchen für Pfötchen eine neue Welt entdeckten, ganz sachte und vorsichtig. Dicht aneinander gedrängt, obwohl sie sonst sehr auf Abstand bedacht waren.

Am dritten Tag, es war Mitte November, ließ ich beide noch mal am Abend raus. Eine Weile später kam Siddhi wieder rein, von Neytiri weit und breit keine Spur. Wir waren besorgt und das zu Recht, denn sie kam diese Nacht nicht mehr heim. Später in der Dunkelheit sah ich wieder den wilden schwarzweißen Kater und mir war klar, dass er sie vertrieben haben musste, war es doch schließlich sein Revier.
Ich tat kein Auge zu in dieser Nacht und zu allem Elend sanken die Temperaturen auf – 7°C. Mir zerriss es das Herz, ich machte mir Vorwürfe, Neytiri abends noch raus gelassen zu haben. Tagelang suchten wir nach ihr, informierten alle Nachbarn, den Förster und ich hängte überall Flugblätter mit einem Foto von ihr auf. Sogar eine Anzeige im lokalen Wochenblatt haben wir geschaltet. Keine Spur von Neytiri. Selbst im Tierheim sagte man mir, dass die Chancen mehr als gering seien, sie wiederzufinden. Mittlerweile hatte es kräftig geschneit und es lagen über 60 cm Schnee. Tiefster Winter hier oben im Wald. Die Lage schien hoffnungslos.
In meinem Herzen konnte ich aber einfach nicht spüren, dass sie nicht mehr leben sollte. Ich hatte das Gefühl, dass sie lebte, auch wenn mit jeder Woche und dauerhaftem Schnee mit Eiseskälte alle Hoffnung schwand.
Weil der Winter sich als sehr hart erwies, baute ich auf der Terrasse eine warme Hütte aus einem Pappkarton für den wilden Kater, der mir leid tat und dieser nahm diese Behausung dankbar an. Vor allem das Futter, das er von da an Morgens und Abends erhielt. Er baute langsam eine Beziehung zu uns auf und wurde kurze Zeit später unser neues zweites Familienmitglied. Weihnachten, nach der Kastration und 10 Tagen Aufenthalt im Tierheim, durften wir ihn heimholen, und er gehörte zur Familie. Sein Name war von nun an Paulchen, wir lieben ihn heiß und innig, doch das ist auch eine andere wunderbare Geschichte….

8 Wochen nach Neytiris Verschwinden, alle glaubten sie mittlerweile tot, selbst ich hatte die Hoffnung, sie jemals wiederzusehen, aufgegeben, klingelte es an der Haustür. Es war Mitte Januar, ein fremder Mann stand vor der Tür. Er sagte, er käme von einem Gasthaus an der Schwarzwaldhochstraße und hätte da eine Katze gesehen, die seit einiger Zeit dort sei und nun in ein Tierheim gebracht werden solle. Er erinnerte sich an das Flugblatt unten an der Bushaltestelle vor vielen Wochen und meinte, sie sähe genau so aus.
Wir waren sprachlos. Sofort fuhren wir zu dem Gasthof und das Unglaubliche geschah: Es war tatsächlich unsere Neytiri und sie erkannte mich sofort.
Sie hatte es im heftigsten Winter quer durch den Schwarzwald geschafft, eine Strecke von ca. 8 km zurückzulegen und kam Anfang Dezember im Gasthaus „Zur Tanne“ an. Dort schlich sie ums Haus. Christa, die wunderbare Besitzerin, erkannte sofort, dass es sich nicht um eine verwilderte Katze handelte und bot diesem scheuen Tier Futter und Unterschlupf in einem Verschlag an. Mehr ließ Neytiri nicht zu.

Dort lebte sie rund 6 Wochen, wurde liebevoll gefüttert und hatte ein geschütztes Plätzchen zum Schlafen. Als das Lokal, welches im Skigebiet liegt, die Außenterrasse an sonnigen Tagen öffnete, sprang Neytiri öfters über die Tische der Gäste. Das wurde zum Problem, also entschlossen sich Christa und ihr Mann das Tier ins nächstgelegene Tierheim zu bringen. Eine Box hatten sie bereits besorgt und ihr auch einen Tag lang nichts zu essen gegeben, um sie so in die Transportbox zu locken. Das war der Tag, als der Nachbar aus dem unteren Tal sie sah und so beherzt war, uns zu informieren.
Wenige Stunden später war Neytiri wieder daheim und wir hatten – was nie geplant war – nun drei Katzengefährten.
Über Neytiri könnte ich noch stundenlang erzählen… das würde den Rahmen sprengen. Doch eines möchte ich noch mit euch teilen: Sie ist mittlerweile, entgegen aller Voraussagen, eine souveräne, total verschmuste Katze. Sie schläft Nachts oft unter meinen Arm eingekringelt oder liegt beim Filme schauen genüsslich auf meinem Schoß und lässt sich total gerne ausgiebig den Bauch kraulen.
Sie ist glücklich und wälzt sich häufig jauchzend auf den Teppichen.

Ihr Vertrauen in den ersten zwei Wochen ihrer Heimkehr gewann ich folgendermaßen:
Sie war die ersten zwei Wochen in einem separaten Zimmer, um erst mal anzukommen. Sie versteckte sich wie immer unter dem flachen Bett. Morgens und Abends nahm ich mir Zeit, setze mich auf das gegenüberliegende Bett und sang für sie. Ich sang das Gayatri-Mantra*. Sobald ich anfing zu singen, kam sie aus ihrem Versteck und setzte sich mit Distanz mir gegenüber. Nach einigen Tagen saß sie bereits wartend auf ihrem Platz wenn ich kam, um für sie zu singen. Es war herzerweichend. Für uns beide.
Noch heute ist es so, dass wenn ich in der Küche Musik höre und mitsinge, sie hüpfend um mich herum springt und ganz laut mitsingt. Das ist wirklich nicht übertrieben. Sie singt laut jauchzend mit mir und ist immer ganz aufgeregt.
Es ist unsere Sprache der Liebe.

Mit dieser Sprache habe ich Zugang zu ihrerer einzigartigen Persönlichkeit gefunden. Jede Katze und jedes Tier hat eine einzigartige und eigene Persönlichkeit – das erleben wir immer wieder.

Liebe und Vertrauen heilen wirklich die allergrößten Wunden, das durfte ich mit Neytiri und mit allen unseren Tieren so oft lernen.
Ich bin dankbar für jeden Augenblick, den diese mit uns teilen und uns ihre bedingungslose Liebe und ihr Vertrauen schenken.

Teresa-Maria Sura

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